ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, die schon im Kindesalter auftritt. ADHS ist gekennzeichnet durch die Hauptsymptome:
Wenn die Hyperaktivität nur gering ausgeprägt ist und die Aufmerksamkeitsstörung im Vordergrund steht, spricht man auch häufig von ADS = Aufmerksamkeits-Defizit-Störung.
Kinder mit ADHS sind unaufmerksam, impulsiv oder unbeherrscht, überaktiv und anstrengend. Sie können ein verstärktes Störverhalten, unsystematisches und langsames Arbeitsverhalten und erhöhte Ablenkbarkeit zeigen. Diese Verhaltensauffälligkeiten können je nach Schweregrad der ADHS und dem Alter des Kindes unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Fast immer führt das Verhalten von Kindern mit ADHS zu Schwierigkeiten in der Schule und im häuslichen Bereich. Die Kinder werden von ihrer Umwelt oft negativ erlebt, so dass letztlich die Störung den Kindern selbst und ihrem Umfeld erhebliche Probleme bereitet. Neben den auftretenden Schwierigkeiten übersehen die Menschen im Umfeld der Betroffenen leicht, dass Kinder mit ADHS auch über viele positive Eigenschaften wie Ideenreichtum, Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeitssinn verfügen.
Die ADHS ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Etwa 5% aller Kinder und Jugendlichen sind betroffen; in Deutschland sind es somit etwa 500.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren. Die Anzahl ist so groß, dass es wohl kaum eine Schulklasse ohne mindestens ein betroffenes Kind gibt. ADHS kommt in allen sozialen Schichten, und Nationalitäten vor. Ebenso finden sich in den verschiedenen Ländern keine Unterschiede in der Häufigkeit. Auch Erwachsene sind von ADHS betroffen; hier liegt die Häufigkeit bei 1 bis 2,5 %.
Die ADHS ist keine Zivilisationskrankheit westlicher Länder. Das Problem wird weltweit beobachtet und erforscht.
Nein! Es besteht kein Zusammenhang zwischen ADHS und Intelligenz. Meist jedoch können Kinder mit ADHS nicht alle ihre Fähigkeiten ausschöpfen. Sie bleiben daher oft mit ihren Leistungen unter den Möglichkeiten, die ihren Fähigkeiten und ihrer Intelligenz eigentlich entsprechen. Allerdings haben Kinder mit ADHS häufig zusätzlich Schwächen bei bestimmten schulischen Leistungen, z.B. beim Lesen und Schreiben.
Die ADHS führt nicht zwangsläufig zu einem aggressiven Verhalten. Auf ihr Umfeld wirken hyperaktive Kinder jedoch häufig aggressiv, weil es ihnen schwer fällt, ihre spontanen Reaktionen zu unterdrücken. Sie reagieren auf das, was von außen kommt, auf das, was andere sagen oder tun, sehr schnell, impulsiv und ohne nachzudenken. Sie reden viel und laut und oft reißen sie das ganze Gespräch an sich. Dieses Verhalten wird von Gleichaltrigen und Erwachsenen als unhöflich, rücksichtslos und aggressiv empfunden und entsprechend abgelehnt oder kritisiert.
Kinder mit ADHS haben außerdem häufig Probleme, Gestik und Mimik ihres Gegenübers richtig zu interpretieren und fühlen sich daher schneller angegriffen und provoziert.
So kann es zu Missverständnissen in der Kommunikation und zu Überreaktionen auf beiden Seiten kommen. Hat ein Kind ständig frustrierende Erlebnisse im Umgang mit Eltern, Lehrern, Gleichaltrigen und seinem übrigen Umfeld, können sich dadurch aggressive Verhaltensweisen entwickeln. Es entsteht ein Teufelskreis: Das Kind verhält sich nicht so, wie erwartet, wird selten gelobt, aber häufig kritisiert und traut sich selbst immer weniger zu. Es kommt zu einem Verlust des Selbstwertgefühls und zu aggressiven Verhaltensweisen, mit denen das Kind versucht, sich durchzusetzen und auf sich aufmerksam zu machen.
Werden Kinder mit einer ADHS nicht behandelt, kann dies weitreichende Konsequenzen für ihr späteres Leben haben. Trotz normaler Intelligenz haben sie häufig Probleme, einen entsprechenden Schulabschluss zu erlangen und eine Berufsausbildung abzuschließen. Oft haben sie Schwierigkeiten, beständige soziale Bindungen aufzubauen bzw. zu erhalten, werden wegen ihres Verhaltens sozial isoliert und verlieren an Selbstvertrauen. Daraus können zusätzliche psychische Folgen, wie z.B. aggressive Verhaltensweisen, Angststörungen oder Depressionen, entstehen.
Bei etwa einem Drittel bis der Hälfte der Betroffenen bleibt die Störung auch im Erwachsenenalter bestehen. Mit zunehmendem Alter verändert sich allerdings meist die Symptomatik: die Hyperaktivität lässt nach, Aufmerksamkeitsdefizit und Impulsivität bleiben aber häufig weiter bestehen.
Nach dem heutigen Wissensstand kann ADHS nicht geheilt werden. Durch eine angemessene Therapie können aber erhebliche Verbesserungen der Verhaltensauffälligkeiten erreicht werden, die den Betroffenen helfen, mit ihrem Leben und ihrer Umwelt zurecht zu kommen.
Die Ursachen von ADHS sind noch nicht völlig geklärt. Vermutlich spielen biologische und psychosoziale Faktoren eine Rolle. Studien zeigen, dass bei ADHS der Stoffwechsel in den Gehirnregionen, die für die Impulshemmung und das Arbeitsgedächtnis von Bedeutung sind, verändert ist. Man findet eine Störung der sogenannten Neurotransmitter, der Botenstoffe im Gehirn, mit deren Hilfe die Nervenzellen Informationen austauschen und weiterleiten.
Bisherige Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass bei Menschen mit ADHS der Informationsaustausch zwischen bestimmten Gehirnregionen durch die Neurotransmitter Dopamin und möglicherweise auch Noradrenalin eingeschränkt ist. Hierdurch wird die Funktion der betroffenen Gehirnregionen eingeschränkt, was zu Beeinträchtigungen von Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Handlungskontrolle führt.